„Für eine Nacht sind wir unendlich“

12.06.2021 ; Merles Buchwelt & Büchercafé

Spoilerwarnung (Johannas Schuld!😂🙈😁(okay, und möglicher Weise auch etwas meine Schuld🙈😂))

Zum Inhalt: Als Jonah und Liv bei einem Festival in England aufeinandertreffen, könnte das, was sie wollen, nicht unterschiedlicher sein. Doch dann beginnt es zu knistern. Und obwohl Liv von vornherein klarstellt, dass nichts laufen wird zwischen ihnen, und obwohl Jonah sich einredet, dass das ganz in seinem Sinne ist, kommen sich die beiden immer näher. Nur wird Jonah am nächsten Tag mit seinen Freunden zurück nach Deutschland fahren. Ihm und Liv bleibt nur diese eine Nacht, um herauszufinden, was da zwischen ihnen ist. Doch wie nah kann man sich kommen, wenn am nächsten Morgen alles vorbei ist?

 
Johannas und meine Bewertung: Wir hatten beide – gerechtfertigt – keine großen Erwartungen an das Buch, weil wir beide nicht so häufig und auch nicht so gerne klassische Liebesgeschichten lesen. Trotzdem wurden unsere Erwartungen nicht einmal annähernd erreicht. Was uns aber gut gefallen hat, war die Festival – Atmosphäre, in der das Buch gespielt hat, und die die Autorin wirklich gut rübergebracht hat.  

Einerseits wirkte die Protagonistin Liv in manchen Szenen auf uns sympathisch und authentisch, andererseits fiel sie in manchen Teilen der Geschichte in das typische “Ich bin nicht schön genug”-Klischee, was uns sehr genervt hat, weil es gefühlt in jedem zweiten Liebesroman benutzt wird. Was uns an ihr gestört hat war, dass sie ziemlich austauschbar und 0815 ist.  

Auch der Protagonist Jonah entsprach dem typischen Klischee eines “Liebesroman-Helden”. Wir haben uns eigentlich durchgehend über ihn aufgeregt. Diesem Klischee entspricht er auch mit seiner “gaanz düsteren Vergangenheit”, die er natürlich Liv als erstem Menschen auf der ganzen Welt anvertraut.  

Sowohl seine Weltansichten als auch seine Gedanken und das was er gesagt hat, haben uns gestört, da wir sie beide einfach nicht unterstützen. Besonders seine Ansichten über “Männlichkeit” waren in unseren Augen sehr grenzwertig und fragwürdig. Ein paar Beispiele dafür sind: “…und ihn umarme, höchst männlich versteht sich, mit Schulterklopfen und allem.” (S. 287) und “Und ja, schlagt mich, aber ich fühle, wie mir Tränen in die Augen steigen.” (S. 285). Wir verstehen einfach nicht, warum die Autorin diese Toxische Männlichkeit in ihrem Buch verwendet hat.  

Eine Szene, die wir sehr kritisch sehen, war die in der Liv vor einer Toilette von einem anderen Mann sexuell belästigt wurde. Grundsätzlich finden wir es gut, dass die Autorin auch so ein wichtiges Thema mit reingebracht hat, allerdings hat sie diese Szene unserer Meinung nach nur genutzt, damit Jonah den großen Helden spielen kann, indem er Liv rettet.  

Die Liebesgeschichte war sehr typisch, es gab viel Drama und viel Hin und Her zwischen „Ich bin aber doch nicht sein Typ“ und „Sie hat jemand besseren verdient“, was uns irgendwie genervt hat, andererseits aber auch dazu gehört. Die Geschichte spielte zwar nur innerhalb einer Nacht, trotzdem hatten wir das Gefühl, das sie unendlich ging, was irgendwie schön war. Wenn man so viele Ereignisse in so kurzer Zeit in ein Buch packen möchte, wie es hier der Fall war, läuft man Gefahr, dass alles sehr gequetscht wirkt. Das war hier zum Glück nicht so, was sehr bemerkenswert ist.                             

Das Buch lässt sich dank des flüssigen Schreibstils gut und leicht lesen, sodass man schnell durch ist. Am Anfang sind wir mit dem häufigen Perspektivenwechsel von Jonah zu Liv, den es fast alle 5 Seiten gab, überhaupt nicht zurechtgekommen. Zwar finden wir es gut, die Geschichte auch aus unterschiedlichen Sichten lesen zu können, aber hier war der Wechsel einfach viel zu häufig und dadurch verwirrend. 

Wenn wir das Buch jeweils alleine gelesen hätten, hätten wir es wahrscheinlich abgebrochen, wir haben es letztendlich nur beendet, weil wir es gemeinsam gelesen haben. Merle hat das Ende aber auch noch überflogen.  

FazitZwar können wir dem Buch auch ein paar positive Punkte abgewinnen, müssen aber im Großen und Ganzen sagen, dass es uns nicht wirklich überzeugt hat. Besonders gestört haben uns die vielen, für eine Liebesgeschichte typischen Klischees. Wir bewerten das Buch mit insgesamt ⭐️⭐️ und empfehlen es ab 14 Jahren. 

Über das Buch: „Für eine Nacht sind wir unendlich“ von Lea Coplin erschien 2020 im dtv Verlag. Das Buch hat 302 Seiten und wird abwechselnd aus den Ich Perspektiven des Protagonisten Jonah und der Protagonistin Liv erzählt.

Über die Autorin:  Lea Coplin arbeitete 15 Jahre lang als Journalistin, bis sie sich dem Schreiben widmete. Unter dem Namen Anne Sanders schaffte sie es bereits auf die Bestsellerlisten, 2018 veröffentlicht sie unter einem neuen Pseudonym den Jugendroman „Nichts ist gut. Ohne dich.“ und begeistert damit tausende von Lesern.   

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